Hohenwutzener Puppentheater

Puppentheaterbau

Handpuppenbühnen selber bauen

Idee und erste Zeichnung

Zeichnung

Als wir mit unserem Puppen- und Kasperletheater anfingen, hatten wir zunächst keine Vorstellung, wie wir es selbst bauen sollten. Wir wussten nur, es sollte ein „klassisches“ Puppentheater und Kasperletheater aus Holz und mit Vorhang sein, also in Form einer „Guckkastenbühne“. Wir wussten auch nicht, ob wir mit Marionetten oder Handpuppen spielen sollten. Eine Bühne für beides schied aus, weil Marionetten ‚von oben‘ gespielt werden, Handpuppen aber ‚von unten‘ und zwar im Stehen, nicht im Sitzen (weil die Puppen sich dabei weder um die eigene Achse noch umeinander drehen können). Da das Marionettenspielen für Laien schwierig ist, entschieden wir uns für das Spiel mit Handpuppen. Für Handpuppenbühnen finden sich zwar zahlreiche Bauanleitungen im Internet, z.B. von Baumarktketten. Diese Bühnen sind allerdings meistens zum Bespielen durch Kinder gedacht, nicht durch Erwachsene. Bauanleitungen für „Erwachsenenbühnen“ haben wir online nicht gefunden. Also haben wir mithilfe eines sehr empfehlenswerten Buches, „Die Theaterfigur auf der Hand“ von P.K. Steinmann (ISBN: 978-3-935011-55-6), selbst eine Zeichnung angefertigt.


Holzkonstruktion

Holzkonstruktion

Unsere Handpuppenbühne ist eine Kantholz-Sperrholz-Konstruktion in den Maßen 200cm x 140cm x 120cm (Breite x Höhe x Tiefe). Das Kasperletheater ist wegen seiner Abmessungen, seines Gewichts und seiner Ausstattung nicht mobil im Sinne von „mal eben auf- und abgebaut“. Die Bühne ist schon etwas aufwändiger konstruiert und für Auftritte gedacht, bei denen man Ruhe, Muße und Zeit für Auf- und Abbau hat. Die Bühnenöffnung hat die Maße 120cm x 80cm (Breite x Höhe). Ein Verhältnis von 8:5 bei der Bühnenöffnung wäre idealer. Da die Bühne aber wegen des Spielens insgesamt sehr hoch ist (untere Bühnenöffnung über dem Kopf des größten Spielers), haben wir die Bühnenöffnung etwas verkleinert. Bei den Maßen ist allerdings zu beachten, dass über der oberen Bühnenöffnung noch etliche Technik unterzubringen ist (Beleuchtung, Kulissenaufhängung). Es empfiehlt sich, das Gewicht der Grundkonstruktion möglichst gering zu halten, weil diese mit Technik und Kulissen ausgestattet und anschließend auf Spielhöhe aufgebockt werden muss. Wir haben mit gehobelten Kanthölzern aus Tannenholz von 40mm x 60mm konstruiert – etwas überdimensioniert. Ausreichend und deutlich leichter wäre sicher auch Material geringerer Stärke (30mm x 30mm). Verkleidet ist die Kantholz-Konstruktion an der Vorderseite und den Seiten mit 3mm starkem Sperrholz. Zum Spielen ruht die Grundkonstruktion auf Stativen (verschraubt); wir haben uns für PA-Lautsprecherstative („Boxenständer“) aus Aluminium mit einer zentrischen Belastbarkeit von jeweils 25 kg entschieden, die günstig erworben werden können (Stück 20 €). Die dreibeinigen Stative erhöhen die Standsicherheit auch auf der grünen Wiese. Den „Bauch“ der Puppenbühne haben wir mit grünem Samtvorhang und goldfarbenen Messingösen abgehängt. Solcherlei ist leider nicht ganz billig, weil doch einige Quadratmeter zusammen kommen (zwischen 50 € und 100 €). Alles zum Thema Grundkonstruktion…


Die Bühne im Aufbau

Bühnenaufbau

Im aufgebauten Zustand hat die Bühne relativ große Maße, die Breite beträgt ca. 210cm und die Gesamthöhe ca. 300cm, die Tiefe ca. 140cm. Das Format bietet genügend Bewegungsfreiraum für bis zu 3 Spieler und 1 Helfer. Die Höhe gewährleistet eine gute Sicht des Publikums (ca. 50 Personen), das allerdings in einigen Metern (3-4 Meter) Abstand zur Bühne sitzen sollte, damit der Blickwinkel nicht zu steil wird. Leider fehlt unserer Bühne noch ein Dach. Bisher haben wir uns mit einer Plane beholfen. Uns schwebt ein rotes Dach vor, das allerdings möglichst leicht sein muss (evtl. rote Biberschwanz-Bitumenschindeln?). Mal schauen, ob sich das realisieren lässt. Mehr zum Thema Grundkonstruktion…


Bühnenbeleuchtung

Bühnenbeleuchtung

Im linken Bild seht Ihr einen Teil unserer kleinen „Theaterbeleuchtung“. Als Vorderlicht haben wir an einem abnehmbaren Aluminiumprofil von 25mm x 25mm Stärke 4 kleine PAR-16-Scheinwerfer mit jeweils 50 Watt montiert. Diese sind mit 10 € pro Stück recht günstig und versprühen mit ihren Barndoors echte Theateratmosphäre. Außerdem haben wir 2 kleine Halogenfluter à 120 Watt als Seitenlicht innerhalb der Bühne im Einsatz (Baumarkt, je 5 €). Die Beleuchtung muss sehr kräftig sein, wie wir feststellen mussten. Leistungsfähige PAR-Scheinwerfer mit LED-Technik sind sehr teuer, die günstigen (40 €) noch zu schwachbrüstig und allenfalls als bunte Effektbeleuchtung in Dunkelheit zu gebrauchen. Warm-weißes, starkes Licht lässt sich damit nicht erzeugen. Mehr zum Thema Bühnenbeleuchtung…


Kulissenbau

Baum

Unsere Kulissen bauen wir aus 6mm Sperrholz (meist Buche) und lackieren sie mit handelsüblichem, mattem 2in1-Holzlack (Grundierung und Farbe). Rechts seht Ihr eine alte Eiche für unser Stück „Peter und der Wolf“. Die Holzkulissen sind entweder – wie diese hier – hängend mit Schraubhaken an horizontalen Stangen an der „Decke“ der Bühne, mit Scharnierbändern und Auslegern links und rechts an den Innenseiten der Bühne oder aber mit Türschnapper-Magneten auf einem Regalprofil aus unlackiertem Stahlblech (Baumarkt, 8 €) hinter der unteren Bühnenöffnung befestigt. So lassen sich alle Kulissen zügig auswechseln und von unten bespielen. Für die vielen Sägearbeiten benutzen wir eine Dekupiersäge (Proxxon DSH), eine kleine, modellbautaugliche Tischkreissäge (Proxxon FET) und eine handelsübliche Stichsäge. Mehr zum Thema Kulissenbau…


Handpuppen

Puppenköpfe

Unsere Puppen sind ebenfalls alle mit Liebe selbst gemacht. Für die Puppenköpfe haben unsere fleißigen Bastler Pappmaché verwendet, also Zeitungspapier mit Leim. Auf dem linken Bild seht Ihr den bemalten Rohling des Dickkopfs vom Räuber Hotzenplotz (mit der großen Nase, links) – noch ohne Haare und Bart versteht sich – und den Rohling von Großmutter mit dem schicken Dutt. Die Rohlinge hat unsere Puppenbastlerin zum ersten Mal gemacht und sie sind gleich super gelungen, also nur Mut zum Selbermachen! Pappmaché hat gegenüber Holz den Vorteil der Gewichtsersparnis beim Spielen und der leichteren Anfertigung, wenn man nicht schnitzen kann. Es gibt natürlich auch fantastische Holzköpfe, gar keine Frage! Der berühmte Hohnsteiner Kasper ist so einer. Wir bevorzugen aber Pappmaché. Mehr zum Thema Handpuppen…


Ideen & Erfahrungen austauschen?

Gerne möchten wir mit Euch Ideen & Erfahrungen rund um das Thema Puppentheaterbau bzw. Kasperletheaterbau austauschen. Auch wir haben erst 2011 angefangen und noch viele offene Fragen, z.B.: Wie kriegen wir ein hübsches, großflächiges, aber leichtes Dach auf unsere Bühne? Wenn Ihr uns etwas mitteilen wollt, dann schreibt uns gerne über die Kommentarfunktion unten (auch für andere zu sehen) oder per E-Mail, wir freuen uns!


7 Kommentare Hinterlasse einen Kommentar

  1. Dr. Peter Echevers H.

    Lange habe ich nach einer einigermaßen brauchbaren Bauanleitung für eine Puppentheaterbühne gesucht. Heute nun bin ich bei Ihnen fündig geworden. Allerdings schwebt mir eine Bühne vor, die auch auf Kindergeburtstagen aufgebaut werden kann, die von zwei Puppenspielern und einem Helfer betrieben werden kann und die im Sitzen bespielt wird. 3 Meter Gesamthöhe kann ich unter meinem Dach nicht unterbringen. Aber aus Ihrem Gesamtkonzept habe ich viel lernen können, was die Technik und den Spielablauf angeht.
    Vielen Dank dafür.

    Mit freundlicher Empfehlung
    Dr. Peter Echevers H. Rio de Janeiro.


  2. Rainer Lenzenweger

    Danke für eure Anleitung und das Weitergeben eures Wissens und eurer Erfahrung. Ich bin schon lange auf der Suche nach einer brauchbaren Anleitung.


  3. David - Admin

    Lieber Peter, lieber Rainer, vielen Dank für Eure Posts, die mich sehr freuen. Leider musste ich zuletzt meine Kommentar-Benachrichtigungen wegen Unmengen Spams deaktivieren, so dass ich erst jetzt antworte. Ich freue mich jedenfalls sehr über Feedback zum Kasperletheater-Bauen, schreibt gerne noch etwas über Eure Erfahrungen. Viele Grüße! David


    • Rainer Lenzenweger

      Hallo David, gerade bin ich wieder einmal dabei, die Beleuchtung umzubauen. Die Beleuchtung ist wirklich ein kniffeliger Punkt. Weiters entsteht zusätzlich zu unserer „Indoor“-Bühne noch eine weitere für den Außen-Einsatz, wobei Bühnenbilder, Requisiten und Beleuchtung für beide Bühnen passen sollen. Und sie soll ebenfalls gut transportabel und einigermaßen leicht aufbaubar sein. Für die „Indoor“-Bühne brauchen wir rund 50 Minuten mit Ton und Licht. Wenn ich die Arbeiten soweit abgeschlossen habe, möchte ich eurem Beispiel folgen und unsere Pläne, Bilder, Erfahrungen online unter http://www.kasperlhaus.info zur Verfügung stellen. Grüße aus Österreich! Rainer


      • Admin

        Hallo Rainer, sehr gut, ich habe zwischenzeitlich noch eine Guckkastenbühne für unsere Kirchengemeinde aus Alu-Profilen und PVC-Platten gebaut, wie es für den Messebau, bzw. Messestände häufig verwendet wird. Die Alu-Profile haben den Vorteil, beliebig kombinierbar zu sein und „ewig“ zu halten, bzw. später ggf. für alle anderen möglichen Zwecke verwendet werden zu können. Ist aber natürlich nicht ganz billig, das Material. Hoffe, dieses Jahr wieder mehr machen zu können. Gruß aus dem Norden, David


  4. Lothar Stibbe

    Habt ihr eine Idee wie für den Bühnenvorhang eine Zugvorrichtung gebaut werden kann?

    Gruß von Lothar


  5. Admin

    Hallo Lothar,

    in dem o.g. Buch „Die Theaterfigur auf der Hand“ findet sich ein einfaches Prinzip: Du brauchst eine an den Enden verknüpfte, also „endlose“ Vorhangschnur. Und 3 Umlenkrollen oder Schraubösen. Die Schnur mit den 3 Umlenkrollen oder Schraubösen wie ein Winkel hinter der Bühnenöffnung entlang führen, so dass Du endlos ziehen kannst. Zeichne das mal auf. An der vertikal geführten Schnur seitlich der Bühnenöffnung kannst Du ziehen. An der horizontal geführten Schnur oberhalb der Bühnenöffnung kannst Du die zwei Vorhänge befestigen. Einen Vorhangschal an der oberen horizontalen Schnur und den anderen Vorhangschal an der unteren horizontalen Schnur. Die Vorhänge bewegen sich dann gegenläufig (solange man sie nicht über die Umlenkrollen zieht, ist klar). Das ist jedenfalls das mechanische Prinzip. Wir haben ja bis jetzt eine Holzjalousie, erweist sich aber als schwergängig. Wir werden auch auf einen Vorhang umsteigen, sobald wir da was konstruiert haben, poste ich Bilder. Gruß! David


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